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Interview mit einer Fachbuchredakteurin: Was ein gutes Buchkonzept auszeichnet

Christiane Engel-Haas hat als Fachredakteurin und Autorenberaterin zahlreiche Buchkonzepte geprüft und mitentwickelt. Im Interview erklärt sie, worauf es bei Fachbüchern besonders ankommt.

Business Insights: Warum sollten sich Self Publisher Gedanken über ein Konzept machen, bevor sie mit dem Schreiben ihres Fachbuchs loslegen?

Christiane Engel-Haas: „Aus meiner Sicht besteht in diesem Punkt kein großer Unterschied, ob Autoren im Selfpublishing oder im Fachverlag ein Buch veröffentlichen. Der Wunsch, das eigene Buch möglichst weit zu verbreiten, also eigene Inhalte, Gedanken und Ideen „unters Volk“ zu bringen, steht in beiden Fällen ganz oben – das ist zumindest meine Erfahrung aus über 20 Jahren im Publikationsgeschäft für Verlage, Institutionen und auch für Self-Publishing-Autoren. Beim Konzipieren eines Buchs geht es also weniger darum, dem Verlag eine Freude zu machen, sondern sich zu überlegen, wo der Leser steht, was dieser braucht und wünscht und wie man ihm das Wissen am besten vermittelt. Ein gutes Konzept ist aus meiner Sicht nichts anderes, als das Bindeglied zwischen der Perspektive des Autors und der des Lesers mit seinem Bedarf, seinen Vorkenntnissen und seiner Problemlage.“

Christiane Engel-Haas

Was ist für den Bucherfolg entscheidend?

„Ein gutes und auch erfolgreiches Fachbuch zeichnet sich dadurch aus, dass es sowohl dem Anspruch des Autors nach Wissensvermittlung als auch dem Bedürfnis des Marktes gerecht wird. Etwas Freude des Autors am Schreiben ist natürlich auch hilfreich. Außerdem schadet eine zündende Idee oder ein innovatives, aktuelles Thema keinesfalls. Für Verlage sind natürlich die Verkaufsaussichten wichtig, die Vorab-Investitionen – zum Beispiel für Lektorat, Autorenbetreuung, Druck, Marketing und Vertrieb – müssen sich lohnen. Diese Kalkulation bleibt dem Self Publisher erspart - die Hürde, ein Buch zu publizieren, liegt deutlich niedriger. Wenn ein freier Autor Zeit und vielleicht auch etwas Geld in eine gute Konzeption und ein Lektorat investiert, kann jedenfalls ein ausgezeichnetes Fachbuch entstehen. Wichtige Fragen dabei sind: Ist die Gliederung klar, logisch und nachvollziehbar? Bauen die Inhalte aufeinander auf? Sind die Texte gut verständlich und hinreichend anschaulich? Kann der Leser einen Praxisbezug zu seinem Job herstellen? Ist das Thema für den Leser wichtig oder interessant? Etc.“

Was tun, wenn man bei der Titelrecherche feststellt, dass es schon etliche Bücher zum geplanten Thema gibt?

„Es ist zu vielen Themen schon alles gesagt worden – nur noch nicht von jedem.“ Dieser Satz gilt auch für Publikationen. Allerdings ist die Themenwahl alleine nicht entscheidend – auch das Publikationsformat und die Zielgruppe müssen berücksichtigt werden. Zum Thema „Mitarbeiterführung“ gibt es zum Beispiel endlos viele Bücher: Lehrbücher für Studierende, Sachbücher für Laien, Fachliteratur für Personaler, Fachliteratur für Manager, Handbücher, Praxisleitfäden, Übungsbücher, Loseblattwerke, etc. Auch hier ist wieder die Frage: Wen will ich erreichen? Was unterscheidet mein geplantes Buch von allen anderen? Selbst wenn es bereits Bücher zum Thema gibt, der Autor aber einen Lehrauftrag hat oder eine Fort- oder Weiterbildungsveranstaltung anbietet und dafür ein eigenes Fachbuch benötigt, dann ist das seine Marktlücke.“

Ihre Tipps für einen zugkräftigen Buchtitel?

„Gute Buchtitel sind aus meiner Erfahrung heraus mindestens ebenso wichtig wie ein gutes inhaltliches Konzept. Ein Buchtitel sollte im Fachbuch idealerweise aus Haupt- und Untertitel bestehen. Der Haupttitel darf ruhig ein „Knaller“ sein, er soll Aufmerksamkeit erregen, neugierig machen, die Zielgruppe veranlassen, nachzuschauen, was sich dahinter verbirgt. Aus dem Untertitel sollte dann klar hervorgehen, worum es in dem Buch selbst geht. In Zeiten von digitalen Suchmaschinen dürfen im Titel natürlich gerne auch wichtige Schlagworte fallen. Dies gilt ebenso für den Covertext. Hier lohnt sich unter Umständen ein Texter, der mit etwas Abstand vom Inhalt diesen besser auf den Punkt bringen und vermarkten kann.“

Welche Fehler sollten einem Fachbuchautor bei der Gliederung nicht unterlaufen?

„Auch bei der Gliederung darf man die Perspektive des Lesers nicht aus den Augen verlieren. Und man sollte der Versuchung widerstehen, seine gesammelte Berufserfahrung zusammenzustellen. Ein buntes Potpourri an PowerPoint-Präsentationen, Seminarunterlagen oder Fallbeispielen ergibt noch kein gutes Fachbuch. Aber es ist eine Materialsammlung, die als Basis für ein inhaltlich und didaktisch durchdachtes Konzept dient. Es lohnt sich, Feedback einzuholen. Je mehr Augen eine Gliederung, einen Text oder auch einen Buchtitel für gelungen erachten, desto wahrscheinlicher, dass das Buch am Ende erfolgreich wird.“

  

Christiane Engel-Haas, M.A., ist studierte Sozialwissenschaftlerin und seit 1996 als Fachredakteurin, Fachlektorin, Produktmanagerin und Texterin tätig. Sie war Cheflektorin und Verlagsleiterin eines Wissenschaftsverlags, bevor sie sich 2011 mit Social Science & Publishing (publiscience.de) selbstständig machte. Heute arbeitet sie für verschiedene Fachverlage, Institutionen, Hochschulen, Verbände und berät Autoren in den Fachgebieten Pädagogik, Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Management. Aktuelle Projekte unter: www.blog.publiscience.de.

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